Daniel begann seine Aussage mit einer Entschuldigung.
Eva unterbrach ihn nicht. Jana tat es.
„Sie sind hier, um Tatsachen zu schildern“, sagte die Ermittlerin. „Eine Entschuldigung kann später aufgenommen werden.“
Daniel saß neben seinem Anwalt in einem nüchternen Vernehmungsraum. Eva und Nora verfolgten den freigegebenen Teil aus einem Nebenraum. Tobias war bei ihnen. Niemand hatte Daniel zugesagt, dass seine Rückkehr, seine Angst oder seine Kooperation eine bestimmte Folge haben würde.
Er bestätigte die Punkte, die er beim ersten Treffen genannt hatte.
Er hatte Unterlagen für die Garantie vorbereitet.
Er hatte gewusst, dass Noras Unterschrift zu einem anderen Anhang gehörte.
Er hatte Evas Signaturinformationen aus dem gemeinsamen Haushalt in die Firmenunterlagen gelangen lassen.
Er hatte Zahlungen gesehen, deren Empfänger nicht zu den angegebenen Beschäftigten passten.
Zu jedem Punkt musste er Zeitraum, eigene Handlung und Quelle trennen. Sein Anwalt durfte Einwände erheben, aber Daniel durfte nicht „wir“ sagen, wenn er selbst eine Datei vorbereitet oder eine Anweisung weitergegeben hatte. Jana ließ jede unklare Mehrzahl im Protokoll markieren.
„Wer hat die Verwendung angeordnet?“, fragte Jana.
Daniel sah zu seinem Anwalt.
„Meine Mutter hat die Finanzierung freigegeben.“
„Das war nicht meine Frage.“
Er atmete aus. „Ich habe die Unterlagen zusammengestellt.“
Zum ersten Mal setzte er sein eigenes Verb an die Handlung.
Eva spürte keine Erleichterung. Ein richtiges Verb kam sieben Jahre zu spät.
Jana fragte nach A-3. Daniel sagte, er habe die Anlage im alten Firmenarchiv gesehen, als er begann, Nora zu suchen. Später habe er eine Kopie angefertigt. Das Original sei danach nicht mehr an seinem bekannten Platz gewesen.
„Wo ist Ihre Kopie?“
„Nicht bei mir.“
„Wo haben Sie sie verwahrt?“
Daniel antwortete, verschiedene Sicherungen seien während seines Verschwindens getrennt worden. Eine habe er mitgenommen, eine andere sei in einem von Helene kontrollierten Firmenbereich geblieben.
„Welcher Bereich?“
„Das weiß ich nicht sicher.“
Jana legte ihm seine Nachricht vom Vortag vor. Darin hatte er behauptet, Helene werde innerhalb von achtundvierzig Stunden die letzte alte Aktenserie vernichten lassen.
„Sie kannten den Bereich genau genug, um eine Frist zu nennen.“
Daniel sagte, er habe einen internen Entsorgungsplan gesehen. Die Liste habe Altakten im Keller, Lieferantenbelege und alte Stiftungsunterlagen umfasst. Er könne nicht bestätigen, dass A-3 selbst in einem der Kartons liege.
„Dann haben Sie eine Möglichkeit als Gewissheit verkauft“, sagte Jana.
„Ich wollte, dass Sie schnell handeln.“
„Sie wollten den Ablauf bestimmen.“
Eva kannte diese Form. Daniel gab genug heraus, damit andere liefen, und behielt die Stelle zurück, an der sein eigener Weg sichtbar wurde.
Sein Anwalt bat um eine Pause. Danach erklärte Daniel, er habe weitere Kopien zeitweise bei einem Berater und in einem privaten Speicher aufbewahrt. Namen und Orte wolle er nur in einer geschützten Ergänzung nennen, weil Helene noch Kontakte in der Firma habe.
Jana sagte, Schutz könne geprüft werden. Wahrheit werde nicht gegen einen selbst gewählten Vorteil getauscht.
„Ihre Kooperation wird dokumentiert“, sagte sie. „Sie macht Ihre Angaben nicht automatisch glaubwürdig.“
Jana erklärte außerdem, dass seine Aussage die vorhandenen Ermittlungen nicht auf ihn begrenzte. Helenes mögliche Verantwortung blieb offen, ebenso Lukas’ Wissen und die Rolle externer Berater. Daniel konnte andere Beteiligte benennen. Er konnte seine eigenen Entscheidungen nicht durch deren Namen ersetzen.
Daniel fragte, ob Eva zu einer Frage über den Familiencomputer aussagen werde.
Tobias antwortete für den Nebenraum: Eva werde auf offiziellem Weg zu ihren eigenen Wahrnehmungen Stellung nehmen. Sie werde nicht bestätigen, dass Daniel sie habe schützen wollen.
Daniel blickte in die Kamera, obwohl er nicht wusste, ob Eva gerade auf den Bildschirm sah.
Sie sah.
Er wirkte müde. Nicht verletzt. Nicht gerettet. Ein Mann, der erkannt hatte, dass eine halbe Wahrheit nicht mehr reichte und trotzdem versuchte, die andere Hälfte als Verhandlungsmasse zu behalten.
Am Ende unterschrieb Daniel das Protokoll nicht sofort. Er verlangte drei Korrekturen zu Zeitangaben und eine Präzisierung: Er habe die Vernichtung nicht angeordnet, sondern davon erfahren.
Jana nahm die Änderungen auf, ohne ihm die Verantwortung für die früheren Handlungen abzunehmen.
Die Aussage gab ihnen einen konkreten Aktenbereich und eine Frist.
Sie gab ihnen kein A-3.
Und sie beantwortete nicht, wo Daniel die Kopie versteckt hatte, mit der er seit sieben Jahren handelte.
