Kapitel 59: Seraphines Bedingung

Seraphine verhandelte diesmal mit allen vier.

Mara, Elin und Joris waren Studenten. Cassian nahm nur als Vertreter seines eigenen Ermittlungsstatus und als Zeuge des Zeitversatzes teil. Er besaß keine Stimme über ihre Noten oder ihre Zulassung.

Die Dekanin legte drei Maßnahmen vor.

Jede Maßnahme stand zunächst in einem gemeinsamen Vertrag. Wenn eine Person widersprach, sollten alle vier vom Unterricht ausgeschlossen werden.

„Nein“, sagte Elin. „Keine Gruppenhaftung.“

Seraphine erklärte, die Gefahren seien gemeinsam entstanden. Joris erwiderte, gemeinsame Beobachtung mache ihre Einwilligungen nicht austauschbar.

Nach zehn Minuten ließ die Dekanin vier getrennte Fassungen bringen.

Erstens durften die Studenten den Unterricht fortsetzen.

Zweitens sollten ihre Siegelwerte vor und nach jeder Prüfung überwacht werden.

Drittens war jeder weitere Zugang zum Unterarchiv untersagt.

„Für wie lange?“, fragte Elin.

„Bis die Zuständigkeit geklärt ist.“

„Das kann Jahre bedeuten“, sagte Joris.

Seraphine änderte die Bedingung auf vierzehn Tage mit verpflichtender Überprüfung. Danach musste jede Verlängerung neu begründet werden.

Mara zeigte auf die Überwachung. „Wer sieht die Daten?“

„Die medizinische Aufsicht, das Prüfungsamt und die zuständige königliche Stelle.“

„Welche Werte?“

„Magische Belastung, Verblassen, Aktivierung nicht klassifizierter Resonanz.“

„Position?“

„Nur während Prüfungen.“

„Auch auf den Wegen davor und danach?“, fragte Mara.

„Vom Betreten bis zum Verlassen des Prüfungsbereichs.“

„Dann steht es genau so im Text.“

Yara änderte die offene Formulierung. Seraphine ließ sie stehen, aber die technische Anlage blieb noch ungeprüft.

Mara verlangte den genauen Wortlaut. Im Entwurf stand jedoch kontinuierliche Funktionssicherheit. Diese Formulierung konnte jede Bewegung erfassen.

„Ich akzeptiere eine offen sichtbare Messung der Magiemenge und dokumentierte Gesundheitskontrollen“, sagte sie. „Ich akzeptiere keine unbegrenzte heimliche Ortung.“

Seraphine sah zu Cassian. „Beraten Sie sie?“

„Nein. Frau Falk formuliert ihre eigenen Bedingungen.“

Mara fuhr fort: „Jede Übertragung muss für mich erkennbar sein. Ich erhalte dieselben Protokolle wie die Stellen, die sie empfangen.“

„Dann könnten Sie die Überwachung umgehen.“

„Geheime Überwachung verhindert Umgehung nicht. Sie verhindert Widerspruch.“

Yara protokollierte.

Elin akzeptierte Messung nur für ihr persönliches Kronenzeichen, nicht für das Sorel-Familienwappen. Joris verlangte, dass Orientierungseffekte als Gesundheitswarnung und nicht als Eignungsschwäche bewertet wurden.

Seraphine stimmte beiden Ergänzungen zu.

Beim Unterarchiv blieb sie hart. „Kein weiterer Eintritt.“

Mara antwortete: „Ich akzeptiere die vorläufige Sicherheitsanordnung.“

„Und beenden Ihre Untersuchung.“

„Nein.“

„Die Untersuchung führt zum Untergrund.“

„Sie führt auch zu öffentlichen Archiven, Familienverträgen und der Kandidatenliste. Ich verspreche nicht, auf der Oberfläche nicht weiterzufragen.“

„Sie könnten Unruhe in Familien und Rat tragen.“

„Dann antworten die Unterlagen oder sie tun es nicht.“

Seraphine wandte sich an Elin. „Wollen Sie wirklich Ihr Haus in eine unbewiesene Anschuldigung ziehen?“

Elin hielt ihrem Blick stand. „Ich will beweisen, was das Sorel-Instrument getan hat. Das Ergebnis entscheide nicht ich vorher.“

Seraphines Kronenzeichen glomm. „Sie suchen sechs weitere Schlüssel.“

Mara verriet nicht, woher die Zahl kam. „Ich suche Beweise für ein Verfahren, das meine Schwester und andere Menschen aus ihren Familien entfernt hat.“

„Ihre Schwester ist nicht bestätigt.“

„Dann kann meine Untersuchung Ihrer Ansicht nach auch niemanden gefährden.“

Joris hustete, um ein Lachen zu verbergen.

Seraphine erkannte die Falle und antwortete nicht. Stattdessen verlangte sie, dass jeder Archivbesuch im Voraus angemeldet wurde.

„Nur wenn die jeweilige Archivordnung das ohnehin verlangt“, sagte Elin. „Keine zusätzliche Meldung an die Akademie.“

Die Dekanin strich die Klausel.

Seraphine legte einen neuen Text vor. Fortsetzung des Studiums unter offenem Monitoring; kein unbefugter Zugang zu nicht freigegebenen Unterbereichen; freie Nutzung öffentlicher und berechtigt zugänglicher Archive.

„Das kann ich unterschreiben“, sagte Mara.

Cassian las nur die Rechtswirkung. Der Vertrag gab ihm keine Kontrollbefugnis über Mara, ihre Unterkunft oder ihre Studienentscheidungen. Seine Beobachtung blieb ein getrennter königlicher Auftrag, gegen dessen Umfang er bereits Widerspruch eingelegt hatte.

„Ich kann diese Verträge nicht für Sie annehmen“, sagte er. „Und ich kann nicht versprechen, dass Severin ihre Grenzen beachtet.“

Mara nickte. „Dann halten wir beides getrennt.“

Seraphine beobachtete den Austausch. „Sie vertrauen einem königlichen Richter.“

„Ich vertraue dem geschriebenen Umfang mehr als einer Rolle“, sagte Mara.

Alle drei Studenten unterschrieben ihre eigenen Fassungen. Keine Gruppenhaftung. Kein automatischer Verlust des Studiums, falls eine andere Person die Bedingung brach.

Seraphine setzte ihr Kronenzeichen darunter.

„Sie glauben, Offenheit schützt Sie“, sagte sie zu Mara.

„Nein. Sie macht sichtbar, wer welche Grenze überschreitet.“

Die Dekanin aktivierte das Monitoring nicht sofort. Eine medizinische Fachperson erklärte am folgenden Morgen die Messung und bat um separate Zustimmung zur Anbringung.

Mara streckte das Handgelenk aus.

„Nur nach dem unterschriebenen Umfang“, sagte sie.

Die Fachperson bestätigte es.

Sie zeigte Mara das Gerät, erklärte die vorgesehene Speicherdauer von vierzehn Tagen und nannte die drei Empfänger. Mara verlangte eine eigene tägliche Kopie. Erst danach erlaubte sie die sichtbare Anbringung.

Eine dünne silberne Linie erschien auf Maras Haut.

Sie leuchtete bis zum Fenster.

Dann bog sie nicht zum medizinischen Archiv ab.

Sie führte direkt zum königlichen Turm.